Katja Kabanova
Oper in drei Akten nach Alexander Nikolajewitsch Ostrowskis Drama „Das Gewitter“
Musik und Libretto von Leoš Janácek
bearbeitet von Eberhard Kloke
In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Warum, um alles in der Welt, benannte Alexander Nikolajewitsch Ostrowski sein Drama wie einen Wetterbericht? Wollte er mit dem Titel Gewitter eine Art theatralischen Zwilling zu Beethovens Pastorale schreiben? Wohl kaum. Friedrich Christian Delius erläutert in seinem Buch Der Held und sein Wetter – in unserem Falle wäre es eine Heldin – wie Autorinnen und Autoren des bürgerlichen Realismus ein Kunstmittel – in unserem Falle die literarische Beschreibung von meteorologischen Ereignissen – ideologisch verwenden, um den dramatischen Ereignissen die gleiche Unausweichlichkeit zu geben wie den meteorologischen, denen wir uns täglich mehr oder weniger wehrlos ausgesetzt sehen. Die Ideologie besteht dabei im Suggerieren einer Zwangsläufigkeit, die das dramatische Geschehen mit dem Pathos des wie ein Unwetter hereinbrechenden Schicksalsschlages veredeln soll, um unser mitleidiges Herz zu rühren für die Qualen der unschuldigen Opfer. Erst Brecht hat die Welt als eine von Menschen gemachte und mithin veränderbare beschrieben und Wetter wie Schicksal aus der Theaterliteratur eliminiert. Aber das war später.
Es geht also in Katja Kabanova weniger um schlechtes Wetter als vielmehr um schlechte Beziehungen. Katja hat Tichon, den Sohn der Witwe Marfa Ignatevna Kabanová geheiratet. Ihre Schwiegermutter fühlt sich von ihr aus dem Herzen ihres Sohnes gedrängt und macht ihr das Leben schwer. Tichon ist wehrlos gegen seine Mutter und schafft es nicht, sich schützend vor seine Frau zu stellen. Als Tichon von seiner Mutter auf Geschäftsreise geschickt wird, betrügt Katja ihren Mann mit dem Nachbarn Boris. Auch Boris hat kein einfaches Leben. Sein Erbe verwaltet sein Onkel Dikoj und es wird ihm nur ausbezahlt, wenn er sich Dikoj gegenüber anständig benimmt. Damit ist er den Launen dieses Mannes ausgesetzt. Während Varvara, Marfas Stieftochter, sich ohne moralische Skrupel einer heimlichen Liaison mit dem Mechaniker Kudrjaš hingibt, leidet Katja unter ihrer Verfehlung, die sie schließlich öffentlich eingesteht. Zu ihrem eigenen Erstaunen bringt das Geständnis ihr keine seelische Erleichterung und sie beschließt ihrem Leben – in einer Gewitternacht! – durch einen Sprung in die Wolga ein Ende zu setzen. Tichon macht es sich mit dem Verdikt gegenüber seiner Mutter: „Du hast sie getötet!“ allerdings am Ende etwas einfach.
Musikalische Leitung: Christoph Gedschold
Regie: Bernd Schmitt
Bühne: Eckhard Reschat
Kostüme: Elena Popova
Es spielt das Stuttgarter Kammerorchester mit Bläsern der HMDK Stuttgart und dem Erasmus Ensemble Stuttgart.
Mit Javier Agudo, Jonathan Bär, Nicolas Calderón, Daniel Domarecki, Rebecca Herter, Shaoyu He, Yasmina Klingel, Sion Lee, Sewon Oh, Sejin Park, Janina Schweitzer, Miriam Wagner, Katarina Zorec
Eine Produktion der Opernschule der HMDK Stuttgart
30 Minuten vor jeder Vorstellung findet im Studio des Wilhelma Theaters eine kurze Werkeinführung statt. Der Eintritt hierzu ist frei.
Theater / Spielstätte
Wilhelma Theater
In den Räumen des Wilhelma Theaters, unter den eindrucksvollen Farben der leuchtenden Wand- und Deckenmalereien, finden jährlich mehr als 150 Vorstellungen in den Bereichen Schauspiel, Oper, Figuren- und Musiktheater statt. Ebenso haben Orchester- und Chorkonzerte, Solistenabende und Kammermusik ihren festen Platz in dem umfangreichen Programm. Darüber hinaus stehen jährlich zahlreiche verschiedenartige Gastspiele auf dem Spielplan des Theaters.
Geschichte
Im Sommer 1837 beauftragte Wilhelm I. von Württemberg den Architekten Ludwig von Zanth mit dem Bau eines „Königlichen Hoftheaters zu Kannstatt“, das bereits drei Jahre später, am 29. Mai 1840, eröffnet werden konnte. Das Wilhelma Theater war ein durchaus neuer Typus von Theater- kein Privattheater, das nur der Aristokratie vorbehalten war, sondern ein Bürgertheater. Darüberhinaus ist es das älteste Theater Stuttgarts, das in seiner klassizistischen Bauweise und dem pompejianischen Stil einzigartig in Europa ist.
Ein kontinuierlicher Spielbetrieb konnte in den folgenden Jahrzehnten allerdings nie etabliert werden, weil der Lauf der Geschichte und die zunehmend problematische Verkehrssituation die Attraktivität des Hauses negativ beeinflussten. In den 60er und 70er Jahren dachte man sogar über einen Abriss des inzwischen völlig schmucklosen und heruntergekommenen Theaters nach.
Die gedankliche Wende kam glücklicherweise in den 80er Jahren und somit die Einsicht, das außergewöhnliche und in seiner Bausubstanz noch gut erhaltene Theater vollständig in seiner ursprünglichen Form zu restaurieren. Dem kam zugute, dass 1984 entschieden wurde, das Haus der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart zur Verfügung zu stellen. Das Wilhelma Theater konnte somit am 1. Dezember 1987 als Lehr- und Lerntheater unter der künstlerischen Leitung von Herrn Prof. Dr. Felix Müller wiedereröffnet werden.
Heutzutage finden pro Spielzeit in der Regel drei bis vier Hochschulproduktionen aus den Bereichen Schauspiel, Oper und Figurentheater statt. Die Produktionen bereiten die jungen Studenten unter hochprofessionellen Bedingungen auf ihre künftigen Berufe vor und bieten den Sängern und Schauspielern die Möglichkeit, ihre künstlerischen Ergebnisse einem breiten Publikum zu präsentieren. Das Publikum liebt vor allem die jugendliche Frische, den Elan und die Professionalität, mit der die jungen Studenten die Vorstellungen unter großem persönlichem Einsatz auf die Bühne bringen.
Die Theaterbar ist eine Stunde vor der Vorstellung, in der Pause und nach der Vorstellung für Sie geöffnet.
Wilhelma Theater
Neckartalstr. 9
70376 Stuttgart
- Website: www.wilhelma-theater.de