Die acht Frauen
Robert Thomas DIE ACHT FRAUEN Kriminalkomödie mit Musik
Oh du fröhliche, oh du selige, mörderische Weihnachtszeit! Die gefeierte Krimikomödie aus Frankreich – zum Jahresende auf unserer Bühne. Ein Abend voller Spannung und charmantem Witz, gespickt mit bekannten Gesangseinlagen.
Ein eingeschneites Herrenhaus, irgendwo in Frankreich. Es ist Weihachten. Gaby, die Hausherrin, erwartet freudig den Besuch ihrer ältesten Tochter Susanne. Plötzlich verkündet die junge Hausangestellte Louise, dass Gabys Ehemann tot in seinem Bett liegt, hinterrücks erstochen! Und bald wird klar: Eine der anwesenden acht Frauen muss die Tat begangen haben. Die Damen beginnen, sich gegenseitig zu verdächtigen und unterm Weihnachtsbaum gegeneinander zu ermitteln. Dabei kommen allerlei Geheimnisse ans Licht.
Ein Weihnachtskrimi mit Musik! Freuen Sie sich auf beliebte französische Chansons und Klassiker aus dem Bereich Musical, Soul und Pop.
„Die acht Frauen“ gehört zu den meistgespielten Theaterstücken in Europa; der gleichnamige Kinofilm wurde mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.
Das ausschließlich weibliche Ensemble zaubert wundervoll skurrile Frauenfiguren auf die Bühne, die uns gleichzeitig lachen und erschaudern lassen. Regie führt der Publikumspreisträger Frank-Lorenz Engel.
Vorstellungen 12.12.2025 bis 24.1.2026
Mit Rosa Alice Abruscato, Sabine Bräuning, Hannah Rebekka Ehlers, Katja Hentschel, Dorothée Kahler, Anne Leßmeister, Barbro Viefhaus, Monika Wiedemer
Regie Frank-Lorenz Engel
Musikalische Leitung Felix Meyerle
Bühne und Kostüme Su Sigmund
Choreographie Maryanne Kelly
Dramaturgie Lena Roth, Annette Weinmann
Familienbande
Von Martin Mezger
Frank-Lorenz Engel inszeniert am Stuttgarter Alten Schauspielhaus die Krimikomödie „Die acht Frauen“ von Robert Thomas – das Original, nicht den Film. Und das lohnt sich.
Dumm, dreist oder dummdreist? Da macht ein Film, maßgeschneidert für die großen Diven des französischen Kinos, weltweit Furore. Und dagegen will das Stuttgarter Alte Schauspielhaus kriminalkomödiantisch anstinken mit „Acht Frauen“ kurz vor Weihnachten? Na klar! Und zwar weder dumm noch dreist noch dummdreist. Sondern clever und mit einem bestens aufgelegten Ensemble. Vergesst also Catherine Deneuve, Fanny Ardant, Isabelle Huppert und Konsortinnen. Oder vergesst sie nicht, denn François Ozons Filmerfolg von 2002 ist aller Ehren wert. Aber hier kommen Sabine Bräuning, Monika Wiedemer, Anne Leßmeister und Kolleginnen, und die mischen eine ganz andere Szene auf: das Theaterstück von Robert Thomas vor seiner Verwandlung ins Drehbuch, und dieses „Huit Femmes“-Original hat literarische Qualitäten, die Regisseur Frank-Lorenz Engel unauffällig und doch kenntlich in Szene setzt
Er belässt das 1958 geschriebene Stück dort, wo es herkommt und hingehört: im Frankreich der Nachkriegszeit. Solche Historizität macht es gerade nicht zum alten Hut, sondern lüftet die Bedeckung von Köpfen, in denen noch – oder wieder – der Mief und Muff von damals steckt. Konkret: Der Abstand schärft den Blick auf weibliche Emanzipations- und Solidaritätsdefizite, die naturgemäß aufs Konto des vergehenden und möglicherweise wiederkehrenden Patriarchats gehen.
Da flattert also Töchterlein Suzanne (mit kesser Anmut: Barbro Viefhaus) aus dem englischen Internat auf Heimatbesuch ins großbourgeoise Landhaus, und unter dem Herzen trägt sie ein Geheimnis, zu dem sie nicht gerade wie die Jungfrau zum Kinde kam. Die Tochter schwanger, die Mutter auf Fremdgang, die Großmutter geldgeil, die eine Tante bescheuert, die andere schröpft Papa, ihren Bruder, der insgeheim schon pleite ist. Und wahrscheinlich würde er gerade Dienstmädchen Louise vögeln, läge er nicht tot im Bett: blutüberströmt und mit Messer im Rücken. Wer war’s?
Alle und keine. Man ist unter sich, lauter potenzielle Mörderinnen, jede mit glaubhaftem Motiv und unglaubwürdigem Alibi. Allerlei Verdruckstes und Verdrängtes jedenfalls hinter der Fassade von An- und Wohlstand, und Karl Kraus‘ Einsicht, das Wort „Familienbande“ habe einen Beigeschmack von Wahrheit, behält auch hier ihre Gültigkeit. Denn wer weiß, was Oma Mamy oder wer auch immer sonst noch im Geheimgang hinterm offenen Kamin verbirgt außer geklauten Wertpapieren und heimlich gesüffeltem Portwein? Sabine Bräuning spielt sie als durchtriebenes Pflegefallluder im Rollstuhl, aus dem sie – „Geld macht sexy“ – bei jeder Gelegenheit in den Stand und koketten Schwung federt.
Zahlen müssen die unsichtbaren Männer
Nicht nur wenn sie einen Flunsch zieht und das Gesicht krümmt, zeigt Anne Leßmeister als Tante Augustine treffende Charakterkomik: Als stets beleidigte und ewig jammernde gouvernantenhafte Spießerin und hypochondrische Frustschraube drängt sie – nicht minder zielstrebig, nur weniger erfolgreich als Hannah Rebekka Ehlers‘ eiskalt berechnende Louise – ins Bett des Hausherrn. Da scheint Katja Hentschels aufrechte Madame Chanel, die Köchin, von anderem Moralkaliber. Wäre sie nicht hintenrum spielsüchtig und – Skandal in den Fifties! – lesbisch.
Marcel, der Patriarch, ist der große Unsichtbare, der nie auftritt, um den sich aber alles dreht in dem Frauenstück, das sich kraft solcher Gravitation des Mannes ins Gegenteil verwandelt. Nicht nur dieser Kunstgriff verbindet die raffinierte Komödie mit Lorcas sehr ernstem Frauendrama „Bernarda Albas Haus“, sondern auch die hermetische Situation. Die Tore sind verschlossen, die Schlüssel ebenso verschwunden wie die Zündkerzen aus dem Auto. Niemand kommt raus, keine verlässt das Haus: eine geschlossene Gesellschaft fast wie bei Sartre, dessen Kernsatz „Die Hölle sind die anderen“ auch unser Damenkränzchen stillschweigend verinnerlicht hat.
Ehefrau Gaby zum Beispiel, bei Monika Wiedemer eine Etepetete-Fregatte im Ego-Eck, wittert in Schwägerin Pierrette sämtliche Buhl- und sonstigen Teufelinnen – nur weil sie ein etwas freieres, etwas aufregenderes, kurz: ein Neid erweckendes Leben führt. Das natürlich seinen Preis hat, und den zahlt Marcel. Dorothée Kahler gibt die – relativ – Emanzipierte im Hosenanzug, aber keineswegs gefeit vor Momenten der Verunsicherung. Gattin Gaby bittet den Gatten freilich nicht minder zur Kasse – direkt und indirekt, letzteres durch die Liaison mit seinem hinterhältigen Kompagnon Jacques, der ihn in den Bankrott treibt.
So ist Marcel das geheime Umspannwerk, in dem die ökonomischen und erotischen Drähte zusammenlaufen – und durchglühen. Marcel, gestresst, genervt, verzweifelt – das Opfer der Frauen? Sie, die Rächerinnen ihrer Unterdrückung? War’s gar ein Suizid? So gelenkig ist der Alte nicht. Catherine, das jüngere Töchterlein, bei Darstellerin Rosa Alice Abruscato aufmüpfig, burschikos, ein bisschen unheimlich und zu allem fähig, hat sich seiner angenommen. Was das heißt? Wird nicht verraten.
Und singen können sie auch noch
Und überhaupt: Die gegenseitigen Ermittlungen fördern nichts Sachdienliches zur Tat zutage, dafür ein Panoptikum der Heuchelei, Verlogenheit und verhohlenen Lebenslust hinter Tabus und tütteliger Moral. Aber die Pilatus-Frage – Was ist Wahrheit? – bleibt ungeklärt. Eingeständnisse können taktische Täuschung, Bezichtigungen bare Lüge sein. Und ob Catherine am überraschenden Ende tatsächlich die Wahrheit spricht?

Die Geburt der Krimikomödie aus dem Geiste des absurden Theaters ist in Engels Regie ein präzis und witzig pointiertes Vergnügen. Su Sigmund beherrscht die Sprache aussagekräftiger Kostüme bis hin zur wundersamen Wandlung der toxischen Augustine in eine kitschige Tüllprinzessin. Als Bühnenbildnerin lässt Sigmund genau hinsehen: überm Kamin die Außenansicht einer Fabrikantenvilla – irgendwo muss die Kohle ja herkommen. Hinter Doppeltreppe und Sofa eine surreal vergrößerte Blumen- und Vogeltapete als Zeichen, dass hier etwas unter die Lupe genommen wird: nicht nur eine Kriminalgroteske, sondern eine Gesellschaft.
Und wer war’s nun? Schuld war nur der Bossa Nova. Mögen die Damen geifern und keifen und sich durchaus an die Gurgel gehen: Wenn die Musi dazwischenfährt, herrscht einträchtiges Wippen, Schwingen, Tänzeln und Singen in wunderschönem Karaoke-Stil (musikalische Leitung: Felix Meyerle). Liedgut von Gilbert Becauds „Nathalie“ bis Cole Porters „Die Herren pfeifen auf Liebe gern“, von Otis Reddings „Respekt“ bis Cy Colemans „Big Spender“ formiert Solo- und Background-Vocals, ob’s nun passt oder nicht. Eben wunderbar absurd.
17.12.2025
Theater / Spielstätte
Altes Schauspielhaus
Im Alten Schauspielhaus stehen Klassiker neben zeitgenössischen Stücken und aufwändigen musikalischen Produktionen auf dem Spielplan. Mit dem 1. August 2018 hat Axel Preuß die Intendanz des Alten Schauspielhauses und der Komödie im Marquardt übernommen. Der neue Spielplan richtet sich an ein breites, kulturinteressiertes Publikum. In den Inszenierungen wird auf eine hohe Sprechkultur Wert gelegt. Die Inszenierungen selbst sind anspruchsvoll und zeitgenössisch, aber nicht experimentell. Schon in der Antike war das Theater die Kunstform für die Menschen einer Stadt. Unterhaltsam und intelligent, tänzerisch und musikalisch wurden Themen auf die Bühne gebracht, die ein breites Publikum bewegen. In diesem Sinne verstehen sich die Schauspielbühnen als das Publikumstheater in Stuttgart.
Das Alte Schauspielhaus ist eines der schönsten Theater Baden-Württembergs und wie geschaffen für anspruchsvolles Sprech- und Schauspieler*innen-Theater. Es verfügt über 499 Plätze und hat ein angenehm ausgewogenes Verhältnis zwischen Zuschauerraum und Bühne. Die Zuschauer*innen sitzen nah dran am dramatischen Geschehen. Ein wenig versteckt in der kleinen Königstraße gelegen, befindet sich das Alte Schauspielhaus doch im Zentrum Stuttgarts und ist bestens per Auto oder Nahverkehr zu erreichen.
Erbaut im Jahre 1909 und durch den Krieg fast unversehrt geblieben, gilt das Theater noch heute als architektonische Perle des Jugendstils – nicht nur die charakteristische halbrunde Fassade, sondern auch das luftige Foyer und der Theatersaal mit seinen zwei Rängen sind prächtige Repräsentanten der Epoche.
Eröffnet wurde das Alte Schauspielhaus, das sich auf dem historischen Gelände der ehemaligen Legionskaserne befindet, in der Friedrich Schiller als Regimentsmedicus arbeitete, nach nur siebenmonatiger Bauzeit am 6. November 1909. Seine erste Blütezeit erlebte das Theater in den 20er und 30er Jahren, als nahezu alle großen Theaterstars der Zeit auf der Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses, wie es damals noch hieß, zu erleben waren. Den fulminanten künstlerischen wie auch wirtschaftlichen Erfolg dieser Jahre verdankte das Theater dem Theaterdirektor Claudius Kraushaar. 1878 in Wien geboren, führte ihn seine Theaterleidenschaft zunächst als Schauspieler auf unsere Bühne, die 1909 unter dem Namen „Theater in der kleinen Königsstraße“ eröffnet worden war. 1910 wurde für das Theater die „Schauspielhaus-Betrieb GmbH“ gegründet. Kraushaar wurde ihr stellvertretender Direktor, in der Spielzeit 1923/1924 schließlich Direktor der Bühne. 1931 erwarb Claudius Kraushaar gemeinsam mit seiner Frau Maria Helene, einer gebürtigen Stuttgarterin, das Theater für 400.000 Reichsmark. Kraushaars Spielpläne trafen den Nerv der Zeit. Er spielte bedeutende Autoren der jüngeren Geschichte wie auch der Gegenwart, darunter Henrik Ibsen, Bertolt Brecht, Gerhart Hauptmann und Arnolt Bronnen. Brechts späterer Welterfolg „Die Dreigroschenoper“ wurde schon 1929, nur wenige Monate nach der Uraufführung in Berlin, in Stuttgart aufgeführt! Darüber hinaus gelang es Kraushaar, herausragende Schauspielerinnen und Schauspieler auf seine Bühne zu locken. Ab 1933 wurde das erfolgreiche Wirken Kraushaars von den neuen nationalsozialistischen Machthabern zerstört. Zunächst wurde Kraushaar aus der Leitung gedrängt, dann seitens der Stadt zum Verkauf des Theaters genötigt – weit unter Wert der Immobilie. Das Ehepaar zog 1937 nach Wien, wo es weiteren Repressionen ausgesetzt war. Nach dem Krieg dauerte es Jahre, bis Kraushaar sein Theater 1949 endlich wieder übernehmen konnte. An den Erfolg der 20er und frühen 30er Jahre konnte der nunmehr siebzigjährige Theatermacher nicht mehr anknüpfen. Zermürbt von den Schrecken der NS-Zeit sowie den juristischen Auseinandersetzungen um die Restitution seines Theaters, gab Claudius Kraushaar die Leitung 1950 ab.
Nach seiner zeitweiligen Schließung wurde es zunächst von Fred Schroer geführt und dann als Spielstätte des Staatstheaters genutzt. In den 60er Jahren war dort das legendäre Ensemble um Elisabeth Flickenschildt, Edith Heerdegen und Erich Ponto zu sehen. Als dann 1962 das Schauspiel des Staatstheaters in das neu eröffnete Kleine Haus umzog, blieb das Alte Schauspielhaus mehr als zwei Jahrzehnte lang dem Verfall überlassen. Nach einer aufwendigen Renovierung wurde das Theater im Jahr 1984 wiedereröffnet. Auf den Tag genau 75 Jahre nach der ersten Vorstellung kehrte mit einer Inszenierung von Carl Sternheims Komödie „1913“ wieder Leben auf der Bühne des Alten Schauspielhauses ein. Die Intendanz übernahm Elert Bode, der bereits seit 1976 auch die Komödie im Marquardt leitete und der dem Haus seinen heutigen Namen gab. Bode verschaffte dem Alten Schauspielhaus erneut ein hohes Renommee. Im Jahr 2002 folgte ihm Dr. Carl Philip von Maldeghem, der die Bühnen bis 2009 leitete und unter die Top Five der besucherstärksten Sprechtheater Deutschlands führte. Von 2009 bis 2018 leitete Manfred Langner das Haus. Ein besonderes Merkmal seiner Intendanz waren erfolgreiche Uraufführungen aus seiner Feder wie „Tanz auf dem Vulkan“ oder „Bye Bye, Baby“.
Am 1. August 2018 hat Axel Preuß die Intendanz des Alten Schauspielhauses und der Komödie im Marquardt übernommen. Sein besonderes Augenmerk gilt dem anspruchsvollen Schauspielensemble und der Bühnenliteratur. Richtmaß ist eine gleichbleibend hohe Qualität für ein großes und vielfältiges Publikum, darunter eine große Zahl von treuen Abonnentinnen und Abonnenten.
Altes Schauspielhaus
Kleine Königstr. 9
70178 Stuttgart
- Website: schauspielbuehnen.de
